Nachdem 9N der Charta der Vielfalt beigetreten ist, haben wir ein Interview mit Christian Jenicek, dem geschäftsführenden Gesellschafter der 9N Consulting GmbH, geführt, um uns seine Perspektive zum Thema Vielfalt anzuhören! 

CSJ – Christian Jenicek, Geschäftsführender Gesellschafter 9N Consulting GmbH

LPS – Lena Pauline Strucks, Social Media Managerin 9N Consulting GmbH

LPS: Christian, erzähl doch mal, als Frank letztes Jahr auf Dich zugekommen ist und vorgeschlagen hat, dass 9N die Charta der Vielfalt unterschreiben könnte, da hast du ziemlich schnell gesagt; „Ja, das machen wir!“ Warum?

CSJ: Weil es doch diesen schönen Spruch gibt: „Tu Gutes und rede darüber!“ Denn wir leben das eigentlich schon seit der Gründung des Unternehmens. Wenn man sich unser Team anschaut, wird das – im Sinne von optischen Merkmalen – nicht sofort deutlich: viele Männer, wenig Haare und etwas korpulent. ABER wir sind von unseren Überzeugungen sehr divers und das hat auch viele Anknüpfungspunkte zu unseren Tätigkeiten. Wir beraten zum Beispiel viele gemeinnützige Vereine, die im Sozialwesen sind, gleichzeitig aber auch die klassischen Großunternehmen in der Industrie. Das ist alleine schon bezogen auf die Branchen, Arbeitsfelder und Menschen, mit denen wir zu tun haben, unglaublich vielfältig, so dass es für uns eigentlich nur noch einmal eine Bestätigung dessen ist, was wir sowieso sind: Vielfältig! Dann kann man auch der Charta der Vielfalt beitreten, weil all das wofür die Charta steht, wir auch so unterschreiben und leben können, ohne jegliche Einschränkungen.

LPS: Was denkst du macht die Diversität bei 9N im Gegensatz zu anderen Unternehmen aus?

CSJ:”Im Gegensatz zu anderen Unternehmen”- das ist immer schwierig. Bei Vergleichen schneidet, ja meist einer schlechter ab… Und genau darum sollte es ja eben nicht bei Diversität gehen.  Ich glaube, dass dadurch das wir so eine kleine Firma sind, wir aber in dieser kleinen Anzahl von MitarbeiterInnen schon sehr viele unterschiedliche Altersstrukturen, Geschlechtsstrukturen, sexuelle Ausrichtungen, Religionsunterschiede – also sprich überall unterschiedlich sind – nicht einer typischen Unternehmensberatung entsprechen. Bei uns hat nicht jeder BWL studiert, ich glaube BWL sogar die wenigsten, es ist auch nicht jeder durch ein Zweitfach Psychologie gegangen. Das heißt also: auch hier haben wir ein sehr diverses Bild. Wir haben auch MitarbeiterInnen, die haben überhaupt nicht studiert und sind trotzdem in ihren Fächern so kompetent, dass wir sagen können, sie sind „BeraterInnen Durch und Durch“. Insofern ist unsere Diversität auf einer persönlichen, aber auch auf einer beruflichen Ebene so stark ausgeprägt, wie ich es bisher selten bei einer Unternehmensberatung gesehen habe.

LPS: Würdest du denn sagen, dass du auch etwas von deinen MitarbeiterInnen über Diversität gelernt hast?

CSJ: Ja, definitiv! Wenn man es so sagen muss, ich bin ein CIS Mann, ein alter, weißer Mann, wobei so weiß bin ich nicht … auf Ermangelung von Haaren… also noch nicht einmal weiße Haare *lachen*. Mir war, bis ich von meinen MitarbeiterInnen darauf aufmerksam gemacht wurde, nicht bewusst wie divers wir sind. Und da ist auch Frank, den du ja schon angesprochen hast, einer der Treiber gewesen, der mich mit den Begrifflichkeiten und auch mit der Sensibilisierung von Sprache in diesem Zusammenhang deutlich geprägt hat. Das heißt also im Grunde genommen würde ich mich – um bei den neumodischen Formulierungen zu bleiben – als „Straight Ally“ bezeichnen. Im Endeffekt glaube ich, und ich spreche da wirklich für alle, dass wir die Diversität als einen wichtigen Punkt in unserer eigenen Identität nach vorne treiben wollen und das dann auch entsprechend kommunizieren möchten. Jetzt weiß ich aber auch schon gar nicht mehr, ob das wirklich die Frage war *lachen*. Ich schweife ab! Also zusammengefasst: Ja, durch meine MitarbeiterInnen habe ich tatsächlich erst die Wichtigkeit von Diversität sowie die Wichtigkeit, darüber zu reden, Vielfalt zu leben und nicht als gegeben hinzunehmen, erfahren.

LPS: Das ist schön! Hast Du vielleicht ein Beispiel aus deinem Arbeitsalltag bei dem Dir klar geworden ist, dass Diversität super wichtig ist?

CSJ: Ein einfaches Beispiel: Wir sind als UnternehmensberaterInnen ja häufig auf die Sprache angewiesen. Ich habe mir noch nicht angewöhnt im normalen Sprachflow zu gendern, da muss ich noch an mir arbeiten. Aber wir haben zum Beispiel durch Ebru, die uns eine Zeit lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin begleitet hat, einen tieferen Einblick bekommen. Sie hat uns mit genderspezifischen Formulierungen allen ein bisschen vor Augen geführt, wie wichtig es ist selbst auf diese vermeintlichen Kleinigkeiten zu achten: Auch bei Widerständen bei unseren KundInnen vielleicht doch gezielt darauf zu bestehen und vielleicht auch zu sensibilisieren, wie wichtig das ist. Das ist so ein Beispiel, was mir jetzt gerade in Erinnerung ist, und ich auch ganz ehrlich sein muss: Gerade beim gesprochenen Wort hatten wir auch hier starke Kontroversen, da es aus Sicht Einiger viel schwieriger ist so zu sprechen. Aber je länger man sich damit beschäftigt, desto natürlicher wird’s. Das heißt wir haben da auch einen klassischen Trainings- und Gewöhnungseffekt, der natürlich auch erstmal eine Veränderung mit sich bringt. Aber wer, wenn nicht wir, sollten ja die Veränderung lieben *ZwinkerSmiley* und als Changemanagement-ExpertInnen die Veränderung nach vorne tragen.

LPS: Abschließend: Auf was freust du dich am meisten auf dem Weg, den wir zusammen mit der Charta der Vielfalt gehen wollen?

CSJ: Ich freue mich darauf oder ich hoffe darauf, dass durch jede kleine Unternehmung wie unsere, die sich dazu entscheidet der Charta der Vielfalt beizutreten, die Gruppe immer größer wird und das es hinterher quasi ein normaler Vorgang ist, dass jedes Unternehmen der Charta der Vielfalt beitritt! Dass die Werte für die sie steht: Vielfalt anerkennen, frei von Vorurteilen nach innen und außen handeln, Wertschätzung erfahren lassen, individuelle Potenziale erkennen und fördern, respektvoll miteinander umgehen eben sprichwörtlich wertvoller Umgang mit allen von jeder und jedem als relevant und erstrebenswert gesehen werden. Dass wir nicht mehr darüber reden müssen, sondern dass Diversität als selbstverständlich akzeptiert ist und sich dies auch durch unser aller Handeln ausdrückt. Dass es eben zur Normalität wird und nicht explizit betont werden muss. Natürlich ist es jetzt noch wichtig, es nach außen zu tragen. Aber es wäre natürlich schön, wir bräuchten die Charta der Vielfalt wirklich nur noch, um uns der gemeinsamen Werte noch einmal zu versichern, die wir eigentlich alle sowieso haben, als Bestätigung der gelebten Vielfalt.

LPS: Vielen Dank!